Spielkarten Wissenswertes: Geschichte, Blätter & Kartensymbole
Geschichte & Ursprung der Spielkarten
Spielkarten gehören zu den vielseitigsten Spielmitteln der Geschichte und haben ihre Ursprünge im kaiserlichen China des 9. Jahrhunderts. Die frühesten gesicherten Hinweise stammen aus der Tang-Dynastie, wo „Yezi Ge“ (Blätterspiel) erstmals schriftlich erwähnt wurde. Von China gelangten Spielkarten über Handelswege nach Persien und Indien, und arabische Händler brachten sie schließlich im 14. Jahrhundert nach Europa.
Die ersten europäischen Spielkarten tauchten um 1370 gleichzeitig in Spanien, Italien und Deutschland auf. Diese frühen Karten waren handgemalt und so kostspielig, dass nur der Adel sie sich leisten konnte. Mit der Erfindung des Holzschnitts im 15. Jahrhundert wurden Spielkarten erschwinglich und verbreiteten sich explosionsartig in allen Gesellschaftsschichten. Spielkarten waren damit eines der ersten Massendruckerzeugnisse Europas – noch vor Gutenbergs Bibel.
Die vier Farbsysteme Europas
In Europa entwickelten sich vier verschiedene Farbsysteme, die bis heute existieren. Jedes System spiegelt die Kultur und Geschichte seiner Region wider.
Französisches Blatt: Kreuz (Trèfle), Pik (Pique), Herz (Cœur) und Karo (Carreau). Dieses System hat sich weltweit durchgesetzt und ist heute das am weitesten verbreitete. Die Vereinfachung der Symbole gegenüber den älteren Systemen war ein entscheidender Vorteil bei der Massenproduktion. Die Farben Rot und Schwarz machen die Karten auch auf Entfernung gut unterscheidbar.
Deutsches Blatt: Eichel, Laub (Grün/Blatt), Herz und Schellen. Dieses System wird vor allem in Bayern, Österreich, Südtirol und Teilen der Schweiz verwendet. Es gibt regionale Varianten wie das bayerische, fränkische und sächsische Bild. Im deutschen Blatt heißen die Bildkarten Unter (Bube), Ober (Dame-Äquivalent) und König.
Italienisches Blatt: Spade (Schwerter), Bastoni (Stäbe), Coppe (Kelche) und Denari (Münzen). Dieses System ist eng mit dem spanischen verwandt und zeigt deutliche Einflüsse der Tarot-Tradition. In Italien gibt es zahlreiche regionale Varianten mit jeweils eigenen Bilddarstellungen.
Spanisches Blatt: Espadas (Schwerter), Bastos (Keulen), Copas (Kelche) und Oros (Münzen). Ähnlich dem italienischen System, aber mit eigener Bildsprache. Das spanische Blatt wird auch in Lateinamerika und auf den Philippinen verwendet.
Symbolik der Kartensymbole
Die Symbole auf Spielkarten sind keine willkürlichen Dekorationen, sondern tragen Bedeutungen, die über Jahrhunderte gewachsen sind. Im französischen Blatt symbolisieren die vier Farben nach einer verbreiteten Interpretation die vier Stände des Mittelalters: Kreuz steht für den Klerus, Pik für den Adel (die Lanze), Herz für die Geistlichkeit oder die Liebe, und Karo für das Bürgertum (die Fliese oder der Pflasterstein).
Die Bildkarten des französischen Blatts wurden in der Vergangenheit mit konkreten historischen oder mythologischen Figuren identifiziert. So soll der Herzkönig Karl den Großen darstellen, der Pikkönig König David, der Karokönig Julius Caesar und der Kreuzkönig Alexander den Großen. Diese Zuordnungen gehen auf das Pariser Kartenmacherblatt des 16. Jahrhunderts zurück und waren nicht universell gültig.
Im deutschen Blatt haben die Symbole eigene Bezüge: Die Eichel als Symbol der Stärke, das Laub als Zeichen des Wachstums, das Herz als Sinnbild der Liebe und die Schelle als Attribut des Narren. Der Unter (zu Pferd) und der Ober (stehend) des deutschen Blatts unterscheiden sich durch ihre Position – eine Besonderheit, die es im französischen System nicht gibt.
Herstellung und Material
Moderne Spielkarten werden aus speziellem Karton hergestellt, der aus mehreren Schichten besteht. Der Kern ist ein schwarzer oder blauer Papierstreifen, der verhindert, dass man durch die Karte hindurchsehen kann. Darüber liegen weiße Schichten, auf die das Design gedruckt wird, und eine abschließende Beschichtung aus Kunststoff (Plastikbeschichtung) oder Lack.
Professionelle Spielkarten für Casinos und Turniere bestehen vollständig aus Kunststoff (meist PVC oder Cellulose-Acetat). Marken wie KEM, Copag und Fournier sind für ihre langlebigen Plastikkarten bekannt. Diese Karten sind wasserabweisend, knicken nicht und behalten ihre Form über hunderte Spiele. Der Preis liegt bei 15 bis 30 Euro pro Deck gegenüber 3 bis 8 Euro für gute Papier-Karten.
Die bekanntesten Hersteller von Spielkarten sind die United States Playing Card Company (USPCC), die unter anderem die legendäre Marke Bicycle produziert, die belgische Firma Cartamundi (weltgrößter Hersteller), und in Deutschland die ASS Altenburger Spielkartenfabrik, die seit 1832 Karten herstellt.
Spielkarten als Sammlerobjekte
Historische Spielkarten sind begehrte Sammlerobjekte. Das älteste erhaltene vollständige europäische Kartenspiel, das „Stuttgarter Kartenspiel“ aus der Zeit um 1430, befindet sich im Landesmuseum Württemberg und ist mit Jagdmotiven auf Goldgrund verziert. Sein Wert ist unschätzbar.
Auch moderne Spielkarten haben eine lebhafte Sammlerszene. Limited-Edition-Decks von Designern wie David Blaine, Theory11 oder Art of Play erzielen auf Sammlermärkten Vielfache ihres Originalpreises. Das teuerste je verkaufte Deck – ein versiegeltes „Blue Seal“ Jerry’s Nugget Deck – wechselte für über 5.000 US-Dollar den Besitzer.
Häufige Fragen
Warum hat ein Kartendeck 52 Karten?
Die Standardgröße von 52 Karten (ohne Joker) hat sich aus dem französischen Blatt entwickelt und setzt sich aus 4 Farben mit je 13 Werten zusammen. Eine populäre Theorie besagt, dass die 52 Karten die 52 Wochen des Jahres repräsentieren, die 4 Farben die 4 Jahreszeiten und die 13 Werte die 13 Mondzyklen. Ob diese Symbolik bewusst gewählt wurde, ist historisch umstritten.
Wann wurde der Joker erfunden?
Der Joker wurde in den 1860er Jahren in den USA als höchster Trumpf für das Spiel Euchre eingeführt. Der Name leitet sich vermutlich vom deutschen Wort „Jucker“ (für Euchre) ab und nicht, wie oft angenommen, vom englischen Wort „Joker“ (Spaßmacher). Die typische Narrenkappe-Darstellung kam erst später hinzu und verschmolz beide Bedeutungen.