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Kein Online-Roulette mit GGL-Lizenz: die Rechtslage erklärt

Richterhammer neben Casino-Chips auf Spieltisch-Filz

Die kurze Antwort

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 erlaubt der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) nur, drei Angebotsformen bundesweit zu lizenzieren: virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten. Online-Tischspiele wie Roulette, Blackjack und Baccarat fallen nicht darunter; sie sind Ländersache, und jedes Bundesland entscheidet selbst, ob und wie es sie zulässt. Stand Juli 2026 haben nur zwei Bundesländer ein funktionierendes Angebot: Bayern über ein staatliches Monopol und Schleswig-Holstein über private Genehmigungen, beide mit strikter Wohnsitzbeschränkung.

Das erklärt eine Beobachtung, die viele Spieler irritiert: Auf keiner deutsch lizenzierten Glücksspielseite findet sich ein Roulette-Kessel, obwohl dort Hunderte Spielautomaten laufen. Es ist kein Versehen der Anbieter und keine Lücke im Angebot, sondern das Ergebnis einer bewussten gesetzgeberischen Entscheidung aus dem Jahr 2021. Wer sie verstanden hat, versteht den gesamten deutschen Online-Glücksspielmarkt.

Was die GGL lizenzieren darf – und was nicht

Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 gibt es erstmals einen bundesweiten Rechtsrahmen für Online-Glücksspiel in Deutschland. Zuständig ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle (Saale). Ihr Mandat ist jedoch eng gefasst. Bundesweite Erlaubnisse vergibt sie ausschließlich für:

  • Virtuelle Automatenspiele (§ 22a GlüStV 2021), also Online-Slots. Hier ist der Markt am größten: Die offizielle Whitelist der GGL führt in dieser Kategorie rund 90 bis 100 Erlaubnisse.
  • Online-Poker (§ 22b GlüStV 2021). Dieser Markt ist klein geblieben; auf der Whitelist stehen derzeit zwei Betreiber, beide aus dem Entain-Konzern (bwin und partypoker).
  • Sportwetten, mit einer eigenen bundesweiten Konzession.

Auffällig ist, was fehlt: die klassischen Casinospiele. Roulette, Blackjack, Baccarat und Craps sind sogenannte Bankhalterspiele, bei denen der Spieler gegen die Bank antritt. Für diese Spielform darf die GGL keine bundesweite Lizenz erteilen, egal wie seriös der Antragsteller ist. Aus demselben Grund dürfen sich GGL-lizenzierte Anbieter nicht „Online Casino“ nennen; die zulässige Bezeichnung lautet Online-Spielothek, und das Angebot dahinter besteht ausschließlich aus Automatenspielen.

Wer also bei einem GGL-Anbieter nach Roulette sucht, sucht vergeblich. Nicht, weil der Anbieter es nicht will, sondern weil ihm die Rechtsgrundlage fehlt.

Warum Tischspiele Ländersache wurden

Die Antwort steht in § 22c GlüStV 2021. Dort ist geregelt, dass Online-Casinospiele, also die Bankhalterspiele, nicht bundesweit, sondern von jedem Bundesland einzeln erlaubt werden. Jedes Land hat dabei zwei Optionen: Es kann die Veranstaltung selbst übernehmen, typischerweise über seine staatliche Spielbank- oder Lotteriegesellschaft, oder es vergibt Konzessionen an private Anbieter. Entscheidet sich ein Land für das Konzessionsmodell, ist die Anzahl der Online-Konzessionen an die Zahl der im Land zugelassenen stationären Spielbanken gekoppelt.

Diese Konstruktion ist kein Zufall, sondern ein politischer Kompromiss. Spielbanken waren in Deutschland schon immer Landesrecht: Jedes Bundesland regelt selbst, wie viele Spielbanken es zulässt und wer sie betreibt, in mehreren Ländern sind es staatliche Gesellschaften. Als 2021 der Online-Markt geöffnet wurde, liberalisierten die Länder gemeinsam die Bereiche Slots, Poker und Sportwetten, behielten aber den Bereich, der traditionell ihren eigenen Spielbanken vorbehalten war, in der eigenen Hand. Die Kopplung an die Spielbank-Erlaubnisse schreibt diese Logik ins Netz fort: Online-Tischspiele bleiben eine Verlängerung des Spielbankwesens, nicht Teil des bundesweiten Marktes.

Für Spieler hat das eine unbequeme Konsequenz. Ob es legales Online-Roulette gibt, hängt nicht von einer Bundesbehörde ab, sondern von 16 einzelnen Landesentscheidungen. Und die meisten Länder haben diese Entscheidung bislang schlicht nicht getroffen.

Der Flickenteppich in der Praxis

Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Staatsvertrags haben nur vier Bundesländer den Weg des § 22c überhaupt beschritten, und nur zwei davon haben ein live geschaltetes Angebot. Der Überblick, Stand Juli 2026:

Online-Tischspiele nach Bundesland (Stand Juli 2026)

BundeslandModellStatusWohnsitzpflicht
BayernStaatsmonopol (Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung)Live seit April 2024: Roulette, Blackjack, Poker gegen die Bank auf spielbanken-bayern-online.deJa, nur Bayern
Schleswig-HolsteinKonzessionsmodell, 4 private Genehmigungen (September 2024)1 von 4 Anbietern live: Tipico mit Roulette, Blackjack, Baccarat (seit ca. April 2026)Ja, nur Schleswig-Holstein
Baden-WürttembergStaatsmonopol (Staatliche Toto-Lotto GmbH)Gesetz beschlossen, Lizenz erteilt, Marktstart für 2026 angepeilt – noch nicht liveJa, geplant nur BW
Nordrhein-WestfalenKonzessionsmodell, max. 5 Konzessionen (Gesetz seit Februar 2022)Keine einzige Konzession vergeben; das Verfahren hängt an fehlenden Rechtsverordnungen
Übrige 12 BundesländerKeine Regulierung bzw. kein Angebot für Online-Tischspiele

Bayern war das erste Bundesland mit einem legalen Online-Tischspielangebot. Seit April 2024 betreibt die Staatliche Lotterie- und Spielbankverwaltung die Plattform „Spielbanken Bayern Online“ mit Roulette, Blackjack und Poker gegen die Bank; seit Mai 2025 läuft dort auch Live-Automatik-Roulette. Spielen darf ausschließlich, wer seinen Wohnsitz in Bayern hat.

Schleswig-Holstein ging als einziges Land den privaten Weg: Am 18. September 2024 erteilte das Innenministerium vier Genehmigungen mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren, an Tipico, Merkur (Cashpoint Malta, heute Merkur Bets Malta), Skill On Net (DrückGlück) und BluBet. Es war das erste Mal, dass private Anbieter in Deutschland Online-Casinospiele veranstalten durften. Live gegangen ist bis Juli 2026 allerdings nur einer: Tipico bietet seit etwa April 2026 Roulette, Blackjack und Baccarat an, geprüft wird dabei die Meldeadresse. Ohne Wohnsitz in Schleswig-Holstein ist keine Registrierung möglich. Wichtig zur Einordnung: Die bekannten alten „SH-Lizenzen“ von Marken wie DrückGlück SH oder bwin SH stammen aus einem früheren Landesgesetz ab 2012 und sind ausgelaufen; sie haben mit den vier Genehmigungen von 2024 nichts zu tun.

Baden-Württemberg hat sein Monopolmodell beschlossen und die Lizenz an die Staatliche Toto-Lotto GmbH erteilt, geplant sind Roulette, Blackjack und Baccarat für Spieler aus dem eigenen Land. Live ist das Angebot noch nicht; der Marktstart wird für 2026 angepeilt.

Nordrhein-Westfalen zeigt, wie zäh der Länderweg sein kann. Das Online-Casinospiele-Gesetz NRW existiert seit Februar 2022 und sieht bis zu fünf Konzessionen vor. Vergeben wurde bis heute keine einzige, weil die für die Ausschreibung nötigen Rechtsverordnungen fehlen; eine Landtagsdrucksache vom April 2026 dokumentiert das schleppende Verfahren.

Rechnet man zusammen, heißt das: Nur wer in Bayern oder Schleswig-Holstein gemeldet ist, kann in Deutschland derzeit legal online Roulette spielen. Das sind gut 16 der rund 84 Millionen Einwohner. Für etwa vier von fünf Menschen in Deutschland existiert schlicht kein legales Online-Angebot für Tischspiele.

Was das für Spieler bedeutet

Die legalen Wege sind schnell aufgezählt. Wer in Bayern oder Schleswig-Holstein wohnt, kann das jeweilige Landesangebot nutzen. Alle anderen können Roulette und Blackjack legal nur in einer stationären Spielbank spielen, die es in jedem Bundesland gibt. Online bleiben ihnen die GGL-lizenzierten Spielotheken mit Automatenspielen sowie kostenlose Übungsvarianten, um etwa die Roulette-Regeln ohne Echtgeld zu lernen. Welche Optionen im Detail bestehen, schlüsseln unsere Übersichten zu Roulette online und Blackjack online auf.

Daneben existiert ein großer Graumarkt: Anbieter mit Lizenzen aus Malta oder Curaçao, die deutsche Spieler problemlos erreichen und dort Roulette, Blackjack und Live-Dealer-Tische anbieten. Diese Angebote sind in Deutschland nicht reguliert und für Spieler hierzulande nicht legal im Sinne des Glücksspielstaatsvertrags. Der praktische Unterschied ist größer, als viele annehmen:

  • Keine OASIS-Anbindung. Das bundesweite Sperrsystem OASIS greift nur bei deutsch lizenzierten Anbietern. Wer sich dort selbst gesperrt hat, kann bei ausländischen Anbietern ungehindert weiterspielen; der wichtigste Schutzmechanismus des deutschen Systems läuft ins Leere.
  • Keine Limits, keine Aktivitätskontrolle. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 € pro Monat und die LUGAS-Überwachung gelten dort nicht.
  • Keine deutsche Aufsicht. Bei Streit um Auszahlungen oder gesperrte Konten gibt es keine deutsche Behörde, an die man sich wenden kann; Ansprüche müssten im Ausland durchgesetzt werden.

Dass ausgerechnet die Spiele mit Live-Dealer-Atmosphäre fast vollständig in diesen unregulierten Bereich abgewandert sind, ist die wohl größte unbeabsichtigte Nebenwirkung der Länderregelung: Die Nachfrage nach Online-Roulette ist nicht verschwunden, sie wird nur überwiegend außerhalb des deutschen Schutzsystems bedient.

Was sich ändern müsste

Am rechtlichen Befund wird sich kurzfristig wenig ändern, an der Verfügbarkeit möglicherweise schon. Drei Entwicklungen sind absehbar. Erstens: Baden-Württemberg will 2026 mit seinem Monopolangebot starten; damit hätte ein drittes Bundesland legales Online-Roulette. Zweitens: In Schleswig-Holstein halten drei weitere Unternehmen gültige Genehmigungen; gehen Merkur, DrückGlück oder BluBet live, wächst dort die Auswahl. Drittens: Sollte Nordrhein-Westfalen seine Rechtsverordnungen fertigstellen und die Ausschreibung durchführen, käme mit dem bevölkerungsreichsten Bundesland erstmals ein großer Markt hinzu.

Ein bundesweites, für alle Deutschen zugängliches Online-Roulette mit GGL-Lizenz stünde dagegen erst zur Debatte, wenn die Länder den Staatsvertrag selbst ändern und die Bankhalterspiele in den Katalog der bundesweiten Erlaubnisse aufnehmen würden. Dafür müssten sich alle 16 Länder einigen, auch jene, deren Spielbankmodelle von der heutigen Regelung profitieren. Bis dahin bleibt Deutschland bei Tischspielen das, was es seit 2021 ist: ein Land mit einem bundesweiten Markt für Slots, Poker und Sportwetten und einem Flickenteppich aus Landesinseln für alles, was an einem Casinotisch stattfindet. Einen Überblick über alle legalen Spielformen gibt unser Casino-Bereich.

Häufige Fragen zur Rechtslage

Ist Online-Roulette in Deutschland verboten?

Nicht generell, aber fast überall faktisch nicht verfügbar. Online-Roulette ist ein Casinospiel im Sinne des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und darf nur mit einer Erlaubnis des jeweiligen Bundeslandes angeboten werden. Solche Angebote existieren Stand Juli 2026 nur in Bayern und Schleswig-Holstein, jeweils beschränkt auf Einwohner des Landes. Angebote ohne deutsche Erlaubnis sind für Spieler in Deutschland nicht legal.

Warum darf die GGL kein Roulette lizenzieren?

Weil der Glücksspielstaatsvertrag 2021 ihr Mandat auf virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten begrenzt. Bankhalterspiele wie Roulette, Blackjack und Baccarat sind in § 22c GlüStV 2021 den Bundesländern zugewiesen, die sie per Staatsmonopol oder über Konzessionen erlauben können. Die GGL kann diese Zuständigkeit nicht an sich ziehen; dafür müsste der Staatsvertrag geändert werden.

Wo kann ich in Deutschland legal online Roulette spielen?

Stand Juli 2026 nur an zwei Orten: bei „Spielbanken Bayern Online“, dem staatlichen Angebot Bayerns (Wohnsitz in Bayern erforderlich), und bei Tipico in Schleswig-Holstein, dem bislang einzigen live geschalteten privaten Anbieter mit Landesgenehmigung (Wohnsitz in Schleswig-Holstein erforderlich). Ohne Wohnsitz in einem dieser beiden Länder gibt es derzeit kein legales Online-Roulette, nur die stationären Spielbanken.

Warum gibt es in Online-Spielotheken kein Roulette?

Online-Spielotheken sind Anbieter mit einer GGL-Lizenz für virtuelle Automatenspiele. Diese Lizenz deckt ausschließlich Slots ab; Tischspiele dürfen darunter nicht angeboten werden, und auch die Bezeichnung „Online Casino“ ist diesen Anbietern untersagt. Ein GGL-Anbieter, der Roulette ins Programm nähme, würde gegen seine Erlaubnis verstoßen.

Ist Blackjack online in Deutschland legal?

Für Blackjack gilt exakt dieselbe Rechtslage wie für Roulette: Es ist ein Bankhalterspiel und damit Ländersache. Legal spielbar ist es online nur über das bayerische Staatsangebot und bei Tipico in Schleswig-Holstein, jeweils mit Wohnsitzpflicht. Baden-Württemberg plant Blackjack ebenfalls für sein kommendes Monopolangebot.

Gibt es legales Online-Craps in Deutschland?

Nein. Craps ist ebenfalls ein Bankhalterspiel und von den GGL-Lizenzen ausgeschlossen, und keines der beiden aktiven Länderangebote führt es im Programm: Bayern bietet Roulette, Blackjack und Poker gegen die Bank, Tipico in Schleswig-Holstein Roulette, Blackjack und Baccarat. Legales Online-Craps existiert in Deutschland Stand Juli 2026 nicht; Details erklärt unsere Seite zu Craps online.

Was riskiere ich bei einem Anbieter ohne deutsche Lizenz?

Solche Angebote sind in Deutschland unreguliert: Es gelten weder das OASIS-Sperrsystem noch das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 €, und bei Auszahlungsstreitigkeiten gibt es keine deutsche Aufsichtsbehörde als Anlaufstelle. Ansprüche gegen den Anbieter müssten im Ausland durchgesetzt werden. Wer auf Spielerschutzmechanismen angewiesen ist, sollte wissen, dass eine deutsche Selbstsperre dort nicht greift.

Kommt Online-Roulette mit GGL-Lizenz irgendwann?

Nur, wenn alle 16 Bundesländer den Glücksspielstaatsvertrag ändern und die Casinospiele in die bundesweiten Erlaubnisse aufnehmen. Kurzfristig wahrscheinlicher ist, dass weitere Länderangebote starten: Baden-Württemberg peilt seinen Marktstart für 2026 an, in Schleswig-Holstein halten drei weitere Anbieter gültige Genehmigungen, und Nordrhein-Westfalen könnte bis zu fünf Konzessionen vergeben, sobald die nötigen Rechtsverordnungen vorliegen.