Kubb (Wikingerschach): Regeln, Aufstellung, Wurftechnik & Taktik
Spielübersicht
Kubb ist ein schwedisches Wurfspiel für zwei Teams, das in Deutschland vor allem als Wikingerschach bekannt ist. Ziel ist es, die Holzklötze (Kubbs) der gegnerischen Mannschaft mit Wurfhölzern umzuwerfen und zum Abschluss den König in der Spielfeldmitte zu stürzen. Wer den König zu früh trifft, verliert sofort. Genau diese Regel macht aus dem vermeintlich simplen Klötzchenwerfen ein taktisches Duell.
Gespielt wird auf Rasen, Sand oder festem Waldboden, mit 2 bis 12 Personen ab etwa sechs Jahren. Eine Partie dauert 15 bis 30 Minuten. Kubb stammt von der schwedischen Insel Gotland, wo das Spiel seit Generationen zum Volksgut gehört. Seit 1995 wird dort jedes Jahr die Weltmeisterschaft ausgetragen.
Kubb oder Wikingerschach: Woher der Name kommt
Beide Namen bezeichnen dasselbe Spiel. „Kubb“ ist das schwedische Original und bedeutet schlicht Holzklotz. „Wikingerschach“ ist eine deutsche Handelsbezeichnung aus den 2000er-Jahren, die eine populäre Legende aufgreift: Wikinger sollen zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert mit Holzklötzen auf dem Schlachtfeld gespielt haben. Historische Belege dafür gibt es nicht. Gesichert ist dagegen die Tradition auf Gotland, wo Kubb lange vor dem weltweiten Boom gespielt wurde.
Die moderne Verbreitung begann in den 1990er-Jahren, als die Firma Gotlands Kubbs den ersten kommerziellen Kubb-Satz auf den Markt brachte. Von Schweden aus eroberte das Spiel zunächst Deutschland und die Schweiz, inzwischen wird es auf allen Kontinenten gespielt. Der Zusatz „Schach“ im deutschen Namen spielt übrigens auf die taktische Tiefe an, nicht auf verwandte Regeln: Mit dem Brettspiel hat Wikingerschach nichts gemeinsam.
Spielmaterial: Das Kubb-Set
Ein vollständiges Kubb-Set besteht aus folgenden Teilen (Maße nach Turnier-Regelwerk):
- 1 König: der große Holzklotz mit Krone, 30 cm hoch und 9 × 9 cm breit. Er steht exakt in der Mitte des Spielfelds.
- 10 Kubbs (Basiskubbs): kleinere Klötze von 15 cm Höhe und 7 × 7 cm Breite, je fünf pro Team.
- 6 Wurfhölzer: runde Stäbe, etwa 30 cm lang bei 4,4 cm Durchmesser.
- 4 bis 6 Begrenzungsstäbe: markieren die Ecken, optional auch die Mittellinie.
Bei der Holzart gibt es deutliche Qualitätsunterschiede zwischen Buche, Gummibaum und Weichhölzern wie Fichte. Details dazu stehen im Kubb-Materialvergleich Hartholz oder Weichholz.
Aufstellung: So wird das Spielfeld aufgebaut
Das Turnierfeld misst 5 × 8 Meter und wird an den Ecken mit Begrenzungsstäben markiert. Für den Garten darf es kleiner sein: 4 × 6 Meter sind ein guter Einstieg, für Kinder reichen 3 × 5 Meter. Jedes Team verteilt seine fünf Basiskubbs gleichmäßig auf der eigenen Grundlinie, der König kommt exakt in die Feldmitte. Die Grundlinie ist zugleich die Wurflinie: Geworfen wird immer von hinter der eigenen Grundlinie.
Spielablauf: So wird Kubb gespielt
Kubb wird in Runden gespielt, die Teams wechseln sich ab. Jede Runde folgt demselben Schema:
1. Wurfphase
Das angreifende Team wirft nacheinander die sechs Wurfhölzer von hinter seiner Grundlinie auf die gegnerischen Basiskubbs. Geworfen wird von unten (Unterhandwurf), das Holz muss längs durch die Luft fliegen. Seitliches Schleudern und Hubschrauberwürfe, bei denen sich das Holz horizontal dreht, sind verboten.
2. Einwerfen der Feldkubbs
Alle umgeworfenen Kubbs wirft das verteidigende Team anschließend in die gegnerische Spielfeldhälfte. Landet ein Kubb außerhalb, gibt es einen zweiten Versuch. Misslingt auch der, darf das gegnerische Team den Kubb an eine beliebige Stelle seiner Hälfte stellen, mindestens eine Wurfholzlänge vom König und von den Ecken entfernt.
3. Aufstellen der Feldkubbs
Die eingeworfenen Kubbs werden dort aufgerichtet, wo sie liegen geblieben sind. Sie heißen jetzt Feldkubbs und müssen in der folgenden Runde zuerst umgeworfen werden, bevor die Basiskubbs auf der Grundlinie angegriffen werden dürfen.
4. Vorrücken der Wurflinie
Stehen Feldkubbs in der eigenen Hälfte, darf das werfende Team bis auf Höhe des vordersten Feldkubbs vorrücken. Der verkürzte Wurfabstand ist ein erheblicher Vorteil und der Kern der Kubb-Taktik.
5. Königswurf
Sind alle gegnerischen Kubbs gefallen, darf das Team auf den König werfen. Der Königswurf erfolgt immer von der eigenen Grundlinie, nicht von einer vorgerückten Linie. Wer den König umwirft, gewinnt. Fällt der König vorzeitig, hat das werfende Team augenblicklich verloren.
Wurftechnik: Richtig werfen beim Wikingerschach
Die Wurfhölzer werden von unten geworfen, mit dem Griff am unteren Drittel des Holzes. Erlaubt ist die senkrechte Rotation, bei der sich das Holz einmal über die eigene Querachse dreht und idealerweise flach auf die Kubb-Reihe fällt. Verboten sind Helikopterwürfe mit horizontaler Drehung, weil sie eine unfair breite Trefferfläche erzeugen.
Beim Einwerfen der Feldkubbs zählt Präzision statt Kraft: Ein hoher, weicher Bogenwurf lässt den Kubb nahe am Aufprallpunkt liegen. Erfahrene Teams werfen ihre Feldkubbs bewusst dicht zusammen, damit sie sich in der nächsten Runde mit wenigen Würfen abräumen lassen. Wer die Kubbs verstreut, verschenkt Würfe.
Taktik und Strategie
Kubb wirkt auf den ersten Blick simpel, hat aber bemerkenswerte strategische Tiefe. Drei Grundsätze prägen das Spiel auf Turnierniveau:
- Feldkubbs zuerst, und zwar alle: Bleibt ein Feldkubb stehen, rückt der Gegner in der nächsten Runde bis zu ihm vor. Ein einziger übersehener Feldkubb kann die Partie kippen.
- Eng einwerfen: Dicht gruppierte Feldkubbs lassen sich mit einem Wurf zu zweit oder dritt umlegen. Die besten Teams platzieren ihre Einwürfe auf Handtuchgröße.
- Den König als Deckung nutzen: Wer seine Feldkubbs hinter dem König platziert, zwingt den Gegner zu riskanten Würfen. Trifft er den König, ist das Spiel sofort vorbei.
Auch die Reihenfolge der Werfer will überlegt sein: Sichere Werfer räumen Feldkubbs ab, die präzisesten übernehmen Basiskubbs und den Königswurf.
Varianten und Sonderregeln
- Einzel-Kubb: 1 gegen 1, jeder Spieler wirft alle sechs Hölzer pro Runde.
- Zeitlimit-Kubb: Turniere begrenzen Sätze häufig auf 30 Minuten. Läuft die Zeit ab, gewinnt das Team mit weniger stehenden Kubbs.
- Tower-Regel: Landen zwei eingeworfene Feldkubbs aufeinander, werden sie gestapelt und ergeben einen höheren, leichter zu treffenden Turm.
- Strand-Kubb: Auf Sand werden die Kubbs etwas eingegraben, damit sie stabil stehen.
Nummer-Kubb (Zahlenkubb): das andere Spiel
Häufig wird Kubb mit Nummer-Kubb verwechselt, auch Zahlenkubb oder Nummernkubb genannt. Dabei handelt es sich um ein eigenständiges Wurfspiel mit zwölf nummerierten Hölzern, bei dem exakt 50 Punkte erreicht werden müssen. Es stammt aus Finnland und heißt dort Mölkky. Wer die Punktevariante sucht, findet die komplette Anleitung in den Mölkky Spielregeln.
Turniere und Weltmeisterschaft
Die Kubb-Weltmeisterschaft findet seit 1995 jährlich in Rone auf Gotland statt. Aus einer Handvoll Teams beim ersten Turnier sind über 200 Mannschaften aus mehr als 20 Ländern geworden; das Wochenende ist auf der Insel ein Volksfest mit Musik und Markt. In Deutschland organisieren regionale Vereine und der Deutsche Kubb-Bund Turniere, in den USA hat sich das U.S. National Kubb Championship in Eau Claire (Wisconsin) als größtes Turnier Nordamerikas etabliert.
Gespielt wird bei Meisterschaften meist 6 gegen 6 mit Gruppenphase und anschließender K.-o.-Runde. Die Regeln unterscheiden sich zwischen den Verbänden nur in Details, etwa bei Rücksetz- und Zeitregeln.
Häufig gestellte Fragen zu Kubb
Ist Wikingerschach dasselbe wie Kubb?
Ja. Wikingerschach ist die deutsche Handelsbezeichnung für das schwedische Wurfspiel Kubb, die Regeln sind identisch. Die internationale Szene und alle Turniere verwenden ausschließlich den Namen Kubb.
Wie viele Spieler braucht man für Kubb?
Kubb wird mit zwei Teams von je 1 bis 6 Spielern gespielt. Das offizielle Turnierformat ist 6 gegen 6, im Garten funktioniert es aber auch zu zweit. Ungleiche Teamgrößen sind erlaubt, dann werfen einzelne Spieler mehrfach.
Wie groß ist das Kubb-Spielfeld?
Das Turniermaß beträgt 5 × 8 Meter. Für Freizeitpartien kann das Feld verkleinert werden, etwa auf 4 × 6 Meter; für Kinder haben sich 3 × 5 Meter bewährt. Der Wurfabstand zur gegnerischen Grundlinie beträgt beim Turniermaß somit 8 Meter.
Wie wird Kubb aufgestellt?
Jedes Team stellt fünf Basiskubbs gleichmäßig verteilt auf seine Grundlinie, der König kommt exakt in die Mitte des Felds. Die vier Ecken werden mit Stäben markiert. Geworfen wird immer von hinter der eigenen Grundlinie.
Darf man den König absichtlich anwerfen?
Erst, wenn alle gegnerischen Feld- und Basiskubbs umgeworfen sind. Fällt der König vorher, hat das werfende Team sofort verloren. Berührt ein Wurfholz den König, ohne ihn umzuwerfen, läuft das Spiel normal weiter.
Was passiert, wenn ein Feldkubb stehen bleibt?
Bleibt nach der Wurfphase mindestens ein Feldkubb stehen, darf das gegnerische Team in seiner nächsten Wurfphase bis auf Höhe des vordersten stehenden Feldkubbs vorrücken. Deshalb gilt: immer zuerst alle Feldkubbs abräumen.
Sind Helikopterwürfe erlaubt?
Nein. Die Wurfhölzer müssen von unten und längs geworfen werden, eine senkrechte Drehung über die Querachse ist erlaubt. Horizontale Rotation (Helikopterwurf) und seitliches Schleudern sind nach dem Regelwerk verboten.
Was ist der Unterschied zwischen Kubb und Nummer-Kubb?
Nummer-Kubb (Zahlenkubb) ist ein anderes Spiel: zwölf nummerierte Hölzer, Punktejagd auf exakt 50 Punkte, in Finnland als Mölkky bekannt. Klassisches Kubb kennt keine Punkte, hier zählt allein der gestürzte König.
Auf welchem Untergrund spielt man Kubb am besten?
Ideal ist eine ebene Rasenfläche. Sand, Schotter oder fester Waldboden funktionieren ebenfalls, solange die Kubbs stabil stehen. Auf Asphalt leidet das Holz und die Klötze kippen zu leicht.
Wie lange dauert eine Partie Kubb?
Typisch sind 15 bis 30 Minuten. Bei ausgeglichenen Teams kann sich eine Partie deutlich ziehen, weshalb Turniere meist ein 30-Minuten-Limit setzen.
Haben die Wikinger wirklich Kubb gespielt?
Dafür gibt es keine historischen Belege. Die Wikinger-Legende ist Marketing; belegt ist die Tradition des Spiels auf Gotland, von wo es sich seit den 1990er-Jahren weltweit verbreitet hat.
Welches Holz ist für ein Kubb-Set am besten?
Hartholz wie Buche oder Gummibaum hält Treffern deutlich länger stand als Fichte oder Kiefer und splittert nicht. Ein ausführlicher Vergleich steht im Materialvergleich Hartholz oder Weichholz.
Tipps für Einsteiger
Üben Sie zuerst den Unterhandwurf: kontrolliert, gleichmäßig, ohne Kraft. Präzision entscheidet, nicht Wucht. Starten Sie mit einem kürzeren Feld von 4 × 6 Metern und vergrößern Sie es, sobald die Würfe sitzen. Beim Einwerfen der Feldkubbs lohnt es sich, bewusst eng zu zielen, damit sich die Kubbs später gemeinsam abräumen lassen. Und sprechen Sie sich im Team ab, wer auf welchen Kubb wirft: Aufgesparte Wurfhölzer für schwierige Ziele gewinnen Partien.
Kurzregel zum Ausdrucken
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